Anonymität im Internet: Was bringt ein VPN wirklich?
„Anonymes VPN“ steht in vielen Werbeanzeigen, und das ist übertrieben. Ein VPN verbirgt einiges, aber nicht alles, und es verlagert dein Vertrauen vom Internetanbieter auf die VPN-Firma. Wo die Grenze tatsächlich verläuft, erklären wir hier.
Was ein VPN verbirgt
Vor allem deine IP-Adresse. Websites sehen die Adresse des VPN-Servers und können daher weder deinen Provider erkennen noch, wo du ungefähr wohnst. Da viele Menschen gleichzeitig denselben Server nutzen, lassen sich deine Besuche auf verschiedenen Websites zudem schwerer miteinander verknüpfen.
Außerdem verbirgt es deinen Datenverkehr vor allen, die dazwischensitzen. Dein Provider, der Netzwerkadministrator im Büro oder der Betreiber des Hotel-WLANs sehen nur eine verschlüsselte Verbindung zu einem einzigen Server. Welche Websites du besuchst oder was du sendest, erfahren sie nicht.
Was dich trotzdem verrät
Zuallererst deine Konten. Bist du bei Google, Facebook oder einem Onlineshop angemeldet, bist du du, egal mit welcher IP-Adresse. Cookies in deinem Browser funktionieren genauso und überstehen einen Wechsel des VPN-Servers.
Weniger offensichtlich ist Browser-Fingerprinting. Bildschirmauflösung, installierte Schriftarten, Systemversion und Dutzende weitere Kleinigkeiten ergeben zusammen eine Kombination, die einzigartig sein kann. Und dann ist da noch, was du selbst teilst: Fotos, Beiträge, die Telefonnummer, mit der du dich registriert hast.
Wem du vertraust
Dein Internetanbieter sieht deinen Datenverkehr nicht mehr, der VPN-Anbieter könnte es technisch aber schon. Die entscheidende Frage bei der Wahl eines Dienstes ist deshalb, ob er Aktivitätsprotokolle speichert. Ein Versprechen auf der Startseite reicht nicht. Einige Punkte lohnen einen genaueren Blick:
- ob der Anbieter seine No-Logs-Richtlinie unabhängig prüfen lassen und die Ergebnisse veröffentlicht hat,
- ob die Server nur im RAM laufen, wie bei TrustedServer von ExpressVPN, sodass nach einem Neustart nichts übrig bleibt,
- wo die Firma ihren Sitz hat. Proton VPN sitzt in der Schweiz, Mullvad in Schweden und NordVPN in Panama,
- wie viele persönliche Daten du angeben musst. Mullvad fragt nicht einmal nach einer E-Mail-Adresse und nimmt Bargeld an.
Den Firmensitz jedes verglichenen Dienstes findest du auf der Seite VPN-Anbieter.
Praktische Schritte
Ein VPN mit überprüfter No-Logs-Richtlinie und eingeschaltetem Kill Switch ist ein guter Anfang. Dazu kommt ein Browser, der Tracker blockiert. Für Suchen, die nicht mit deinem Konto verknüpft werden sollen, nimmst du ein separates Profil oder ein privates Fenster, in dem du nirgends angemeldet bist. Cookies kannst du beim Schließen des Browsers automatisch löschen lassen. Prüf auf dem Smartphone, welche Apps deinen Standort sehen dürfen. Er ist meist das Wertvollste, was wir preisgeben.
Privatsphäre ist nicht verdächtig
Die eigenen Daten schützen zu wollen ist so normal, wie die Haustür abzuschließen. Journalisten, Anwältinnen, Unternehmen und Millionen ganz normaler Menschen nutzen VPNs, weil sie nicht wollen, dass ihre Aktivitäten zur Ware werden. Wenn du eins suchst, sieh auf der VPN-Karte nach, wer dort Server hat, wo du sie brauchst.